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Bessere Infrastruktur, schnellere Umsetzung und mehr Akzeptanz

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Verkehrsexperten und Politiker diskutieren bei SPD-Veranstaltung über Mobilität im ländlichen Raum

Ibbenbüren/Tecklenburger Land. „Vor zehn Jahren habe ich mich in Düsseldorf mit den Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern aus dem Tecklenburger Land hauptsächlich über Umgehungsstraßen unterhalten – heute reden wir über Fahrradstraßen, Buslinien und Bahnhöfe", sagt der Landtagsabgeordnete für das Tecklenburger Land, Frank Sundermann (SPD), zu Beginn der von ihm initiierten Diskussionsveranstaltung „Wie mobil sind wir? Arbeit und Mobilität im ländlichen Raum" in der Familienbildungsstätte Ibbenbüren. Eingeladen waren der Fahrradexperte und Sprecher der ADFC Ortsgruppe Ibbenbüren, Martin Kitten, sowie der Bundestagsabgeordnete und Vorsitzende des Verkehrsausschusses in Berlin, Udo Schiefner (SPD). Rund 25 Teilnehmer und Teilnehmerinnen haben vor Ort mitdiskutiert, weitere 25 Zuhörer haben digital per Webinar teilgenommen. 

„Das Thema Mobilität steht seit einigen Jahren verstärkt im Fokus, wozu das E-Bike und die gesellschaftliche Diskussion und Sensibilität für den Klimawandel beigetragen haben. Aber die Anzahl an Autos und Lkw und die mit ihnen gefahrenen Kilometer steigen immer weiter und die Mobilitätswende ist noch lange nicht erreicht. Bei der Umsetzung von Maßnahmen müssen wir schneller werden, um CO2-neutral und unabhängig von Gas und Öl zu werden", sagt Sundermann. Doch wie kann das gelingen?

Kitten sprach aus Sicht der Radfahrer das 2018 entwickelte Mobilitätskonzept für Ibbenbüren an, das in die richtige Richtung weise. „Es ist wichtig, die Mobilitätsthemen miteinander zu vernetzen und dass alle an einem Strang ziehen. Die fehlende Infrastruktur für Radfahrer ist ein bundesweites Problem. Bei uns sind die Städte anders gebaut worden als zum Beispiel in Holland. Wenn wir wollen, dass Radfahren besser und sicherer wird, muss es gewisse autofreie Bereiche geben, bessere und sichere Abstellmöglichkeiten für Räder und Geschwindigkeitsbegrenzungen." Für den Alltagsradfahrer sei es zudem wichtig, die Infrastruktur so zu verbessern, dass man auf direktem Weg sein Ziel sicher und schnell erreiche.

Barbara Lücke vom ADFC wies darauf hin, dass die Menschen nicht automatisch aufs Fahrrad umsteigen würden: „25 Prozent der mit dem Auto zurückgelegten Strecken sind kürzer als zwei Kilometer. Auch für drei oder vier Kilometer steigen die meisten Menschen ins Auto. Voraussetzung für den Umstieg aufs Fahrrad ist eine sichere und gute Radverkehrsinfrastruktur. Außerdem geht es darum, wie wir in Zukunft leben wollen. Die Städte sind voll mit fahrenden und parkenden Autos. Der öffentliche Raum sollte den Menschen zurückgegeben werden."

Schiefner wies darauf hin, dass die neue Bundesregierung aus SPD, FDP und Grünen es zukünftig den Städten und Gemeinden ermögliche, selber flächendeckend Tempo-30-Zonen einzurichten. Außerdem sollen 25 Prozent der Güter wieder auf die Schiene gebracht und in den kommenden vier Jahren über eine Milliarde Euro in die Radverkehrsprogramme gesteckt werden. Sundermann: „Wichtig ist natürlich, dass dieses Geld auch beim Land und in den Kommunen ankommt."

Schiefner: „Mobilität findet dort statt, wo man lebt, also auf lokaler Ebene in den Städten und Gemeinden. Mobilitätskonzepte sind der richtige Weg. Ohne Auto ist es im ländlichen Bereich oft schwierig. Bis 2030 wollen wir 50 Millionen E-Autos auf die Straße bringen. Dafür muss die E-Mobilität bezahlbar werden und es müssen eine Millionen Ladesäulen ans Netz angeschlossen werden." Außerdem sprach Schiefner neben dem klassischen Bus auch andere Angebote wie Bürgerbusse, Sammeltaxis und Nachbarschaftshilfe an. Erstmal gebe es oft Vorbehalte gegenüber neuen Konzepten, die überwunden werden müssten.

„Dass wir eine Autofahrergesellschaft haben, liegt am unflexiblen Bus- und Preissystem, nicht an den Straßensanierungen. Jeder Verkehrsträger hat in gewisser Weise eine Berechtigung", entgegnete Schiefner auf die Kritik, dass der Autoverkehr stärker subventioniert werde als der Radverkehr und ÖPNV. Sicherlich brauche es eine gerechte Verteilung des Straßenverkehrsraums und eine Gleichberechtigung für alle Verkehrsteilnehmer. Sundermann: „Und es braucht mehr Flexibilität, mehr Bahnhalte und günstigere Preise, wenn die Leute mit dem Bus oder der Bahn fahren sollen." 

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